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06.10.2014

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Sprengel Museum Hannover: Zeichnung Ost

Sprengel Museum Hannover: Zeichnung Ost
Ausstellung

8. Oktober 2014 bis 4. Januar 2015
Im Jahr 2014 jährt sich der Mauerfall zum 25. Mal. Gerne erinnern wir mit dieser Ausstellung an dieses Ereignis.

Von 2007 bis 2012 hat die FAMAKunststiftung im Rahmen eines Projektes zur Erweiterung des Sammlungsbestandes der Handzeichnungen für das Sprengel Museum Hannover 95 Werke erworben. Ziel der Sammlungserweiterung ist ein repräsentativer Querschnitt herausragenden zeichnerischen Schaffens im östlichen deutschen Teilstaat nach 1945.
Ein besonderes Augenmerk gilt Künstlerinnen und Künstlern, deren Werk bis in die 1980er-Jahre unter teilweise schwierigen Bedingun- gen gereift und im wiedervereinigten Deutschland noch wenig öffentlich ist, sowie der nach 1989 auf sie folgenden Generation.

Die Ausstellung präsentiert Werke von folgenden Künstlerinnen und Künstlern: Gerhard Alten- bourg, Christa Böhme, Lothar Böhme, Manfred Böttcher, Hermann Glöckner, Dieter Goltzsche, Joachim John, Gerhard Kettner, Walter Libuda, Michael Morgner und Hanns Schimansky.

Gerhard Altenbourg (Rödichen-Schnepfental 1926 – 1989 Meißen) ist einer der bedeutendsten und eigenartigsten Zeichner und Grafiker der Moderne. Seine rätselhafte und surreale Bild- und Gedankenwelt entsprach nicht der offiziellen Kunstdoktrin. Während er schon 1959 auf der Kasseler „documenta II“ vertreten war, galt für ihn in der DDR praktisch ein Ausstellungsverbot. Christa Böhme (Berlin 1940 – 1991 Berlin) zählte zum Kreis der Berliner Schule, für die die Orien- tierung am Gesehenen den Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Auseinandersetzung mit der Wirk- lichkeit bildete. Abseits des offiziellen Kunstbetriebes fühlten sie sich nur den Gesetzen der Kunst verpflichtet. Die erneute Formulierung der klassischen Genres Akt und Porträt zeichnete Christa Böhmes Schaffen aus.

Lothar Böhme (1938 Berlin, lebt in Berlin) wurde u. a. mit dem Käthe-Kollwitz-Preis der Akade- mie der Künste, dem Fred-Thieler-Preis für Malerei der Berlinischen Galerie und dem Gerhard- Altenbourg-Preis geehrt. Sein Werk kommt mit wenigen Motiven aus, Figur und Stillleben sind seine Themen. Mit seinen weiblichen Akten rückt er den Menschen in die Mitte seines Schaffens und führt sie zu existenziellem Ausdruck.

Manfred Böttcher (Oberdorla 1933 – 2001 Berlin) war nach Harald Metzkes der bedeutendste Ver- treter der Berliner Schule, die sich an der Kunst von Cézanne orientierte. Als er 1955 nach Berlin kam, wurde sein malerisches Talent sogleich erkannt. Sein Seherlebnis gestaltete er allein aus der Farbe heraus, in seinen späteren Werken findet eine Verdichtung zu impulsiver, fast informeller Formgestik statt.

Hermann Glöckner (Cotta bei Dresden 1889 – 1987 Berlin) ist der älteste in der Ausstellung ver- tretene Künstler. Mit seinem abstrakten Werk gilt der Dresdner als Vertreter des Konstruktivismus von internationalem Rang. Die Rehabilitierung in der DDR begann erst spät anlässlich seines 80. Geburtstages im Jahr 1969.

Dieter Goltzsche (1934 Dresden, lebt in Berlin) erhielt den Käthe-Kollwitz-Preis der Akademie der Künste, den Kunstpreis der DDR und den Hannah-Höch-Preis der Stadt Berlin. Seit 1980 unterrichtete er an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Seine Berliner und Märkischen Motive inspirierten mit unbändiger Lust am Zeichnen zahlreiche Künstler.

Joachim John (1933 Tetschen in Böhmen, lebt in Frauenmark) arbeitete von 1966 bis 1977 als freischaffender Künstler in Berlin. Er erhielt den Käthe-Kollwitz-Preis der Akademie der Künste und den Kunstpreis der DDR. Seine Zeichnungen zur Französischen Revolution spiegeln die Auseinandersetzung mit Geschichte und Gesellschaftsfragen.

Gerhard Kettner (Mumsdorf 1928 – 1993 Dresden) war eng mit Dresden verbunden und wirkte mit seinem realistischen Zeichnungsstil seit den 1960er-Jahren prägend als Professor und Rektor der Hochschule für Bildende Künste. Sein wichtigster Gegenstand ist die menschliche Figur. Seine psy- chologischen Porträts sind singulär in der zeitgenössischen Kunst der DDR. Walter Libuda (1950 Zechau, lebt in Schildow bei Berlin) war Meisterschüler bei Bernhard Heisig. Er erhielt den Gerhard-Altenbourg-Preis und den Fred-Thieler-Preis der Berlinischen Galerie. In seinen skurrilen Bildwelten trifft Reales auf Fantastisches, Turbulent-dynamisches agiert außerhalb festgefügter Bildordnungen.

Michael Morgner (1942 Chemnitz, lebt in Einsiedel bei Chemnitz) wurde anlässlich seines 70. Geburtstages bereits eine retrospektive Einzelausstellung im Sprengel Museum Hannover ausge- richtet. Morgner wird vor allem als Zeichner einer symbolhaften Überhöhung menschlicher Figur und Existenz in Verbindung mit der Natur des Erzgebirges und der Ostsee wahrgenommen. Der Chemnitzer war Mitbegründer der ersten unabhängigen Produzentengalerie der DDR, Clara Mosch, die bis 1982 existierte.

Hanns Schimansky (Bitterfeld 1949 – lebt in Berlin) ist der jüngste Teilnehmer der Ausstellung und ausschließlich Zeichner. Gefördert durch Gerhard Kettner in Dresden hat sich der Künstler als Zeichner autodidaktisch entwickelt. Seit 1998 ist er Professor an der Kunsthochschule Berlin- Weißensee. In dem Jahr hatte er eine Einzelausstellung im Sprengel Museum Hannover.

Es erscheint ein Sammlungskatalog (70 Seiten, 96 Farbabbildungen), mit Texten von Katrin Arrieta, Karin Orchard, Dörthe Wilke. Preis 10 EUR

Gefördert von der FAMAKunststiftung

Text: Karin Orchard, Kuratorin der Grafischen Sammlung

(Pressemitteilung Sprengel Museum Hannover, Dr. Isabelle Schwarz, 06.10.2014)

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