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26.08.2014

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Von der Opernkarte bis zum Zeugnisheft

Von der Opernkarte bis zum Zeugnisheft
Nicht kategorisiert

Die NORD/LB-Kulturstiftung erwirbt für das Sprengel Museum Hannover typografische Arbeiten von Kurt Schwitters
„Beziehungen zu schaffen, ist das Ziel aller Typographie“ formulierte der Avantgardekünstler Kurt Schwitters (1887−1948), der seit Gründung seiner Merz-Werbezentrale 1924 in Hannover zu den führenden Grafikern der Weimarer Republik gehörte. Zwischen 1929 und 1934 gestaltete er für seine Geburtsstadt sämtliche amtliche Drucksachen und konnte sich 1930 „künstlerischer Beirat der Stadt Hannover“ nennen.
Ein aus Hannoverschem Privatbesitz kommendes Konvolut von elf Drucksachen bereichert zukünftig als Dauerleihgabe der NORD/LB-Kulturstiftung die Sammlung des Sprengel Museum Hannover.

Ein Ziel der Büroreform in den 1920er-Jahren war die Normierung des gesamten Schriftverkehrs durch zweckmäßige Vordrucke. Schwitters entwarf über hundert verschiedene Briefpapiere in jeweils verschiedenen Varianten, vom Überweisungsschein des städtischen Kriegsfürsorgeamts bis zur Einäscherungsurkunde. Dieser angewandte Bereich seiner vielseitigen künstlerischen Aktivitäten wirkte konkret in den Alltag vieler Bürger hinein. Die ästhetisch neuartige Gestaltung von Formularen und Publikationen brachte am unmittelbarsten die Errungenschaften der künstlerischen Moderne in die praktische Lebenswelt.

Die angestrebte Einheitlichkeit erzielte Schwitters durch das städtische Kleeblattsymbol als Erkennungszeichen sowie die durchgängige Verwendung einer zeitgemäßen Standardschrift: die von Paul Renner entworfene, klare und einfache „Futura“ Grotesk. Zur Übersichtlichkeit der Formulare trugen klare rechteckige Linienbegrenzungen bei. Freiere Experimentiermöglichkeiten bot die Gestaltung der Aufträge von Oper- und Schauspielhaus, deren Werbebroschüren und Plakate vor allem Aufmerksamkeit erregen sollten.

Schwitters‘ Gestaltungen sind nicht getrennt von seinem bildkünstlerischen sowie literarischen Schaffen zu betrachten und besitzen einen vergleichbar hohen Stellenwert. Schon Alexander Dorner, damaliger Leiter des Provinzialmuseums, erkannte die Qualität der Arbeiten und präsentierte städtische Formularvordrucke unter der Überschrift „Die Auswirkungen der abstrakten Kunst auf die Erscheinungen des täglichen Lebens“ im Kabinett der Abstrakten von El Lissitzky.

Eine Auswahl der neu erworbenen Drucksachen ist nun am ‚gleichen‘ Ort innerhalb der Rekonstruktion des Raums im Sprengel Museum Hannover bis auf weiteres zu sehen.

(Pressemitteilung Sprengel Museum Hannover, Dr. Isabelle Schwarz, 26.08.2014)

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