23.09.2013

Werbung

Edvard Munch: Der grafische Bestand im Sprengel Museum Hannover

Edvard Munch: Der grafische Bestand im Sprengel Museum Hannover
Ausstellung

25. September 2013 bis 2. Februar 2014

Erstmalig präsentiert das Sprengel Museum Hannover anlässlich des 150. Geburtstages des norwegischen Künstlers Edvard Munch (Løten, Hedmark 1863 – 1944 Ekely in Oslo) das druckgrafische Werk aus dem Bestand des Museums.

Munch gilt als Wegbereiter des Expressionismus, der die Psyche des modernen Menschen in eindringlichen Darstellungen erforschte. Zu seiner Zeit erregten diese beim Publikum sowohl nachhaltige Empörung als auch Begeisterung. Munchs Motivwelt ist eng mit dem eigenen Erleben zum Teil traumatischer Begebenheiten verzahnt. Aus einer bis dahin nicht gekannten Subjektivität heraus entstehen Werke, in denen aufgrund von Formen und Farben, von Kompositionen und Perspektiven die persönliche Erfahrung zu einer Ikonografie der Moderne und der modernen Empfindung gerät: Angst, Panik und Liebe, Melancholie, Verzweiflung und eine Entfremdung von sich selbst erhalten als existenzielle Lebenssituationen ein allgemeingültiges Angesicht. Individuelle Biografie und Ikonografie sind im Künstler Edvard Munch unauflöslich miteinander verwoben.

Stilelemente der Arbeiten auf Papier

Die Charakteristik seiner Handschrift in den Arbeiten auf Papier lässt sich anhand der ausgestellten Werke eingehend studieren: Hervorzuheben sind zum Beispiel die Trennung der Flächen durch Einfassungen, eine damit einhergehende Verflachung des Bildraumes und die Formenreduzierung der Motive. Auf diese Weise vermochte Munch die atmosphärische Stimmung und den Ausdruck seiner existenziellen Themen zu steigern. In seinen Werken gibt es darüber hinaus eine ikonenhafte Frontalität der Figuren, die direkt mit dem Betrachter kommunizieren und ihn in seiner eigenen persönlichen Empfindung berücken. Wie so viele Künstler war auch Munch vom Japonismus beeinflusst. Dies ist kompositionell in neuen Bildrandschnitten und in einer dekorativen Vereinfachung erkennbar. Noch vor der Geburt des Expressionismus fanden Literaten und Künstler, darunter insbesondere jene aus der Berliner Bohème „Zum Schwarzen Ferkel“, in der auch Munch verkehrte, erste expressionistische Elemente. Spürbare Themen seiner Zeit wie etwa der Kampf der Geschlechter und die sich verändernde Rolle der Frau fanden in seinen Werken einen resonanzreichen künstlerischen Ausdruck.

Werke der Sammlung

Werke aus zwei Dekaden, von den 1890er- bis in die 1910er-Jahre hinein, ermöglichen die vertiefte Betrachtung einer wesentlichen Schaffensperiode des Künstlers. Daneben umfasst die Sammlung (Modell-)Studien zu wiederkehrenden, wichtigen Sujets des Künstlers, etwa der Pubertät und dem Tod der Mutter, und führen in die Behandlung seiner Motivwelt ein. Motive wie „Mondschein I“, „Zwei Menschen. Die Einsamen“ und „Der Kuss“ geben als variantenreich behandelte Bildfindungen Auskunft über die intensive Beschäftigung mit Themen wie Liebe, Angst und Tod. Die bekannte Radierung „Der Kuss“ von 1895 zeigt zwei miteinander verschmelzende Körper, deren Konturen im Dunkeln eines Zimmers eins werden. Für die Liebe ist hier das Bild einer völligen Hingabe gefunden. Die verrenkte und instabile Haltung des männlichen Körpers spricht jedoch dafür, dass für Munch die Liebe des Mannes zugleich in gefährlicher Selbstaufgabe münden kann.

Mensch und Landschaft geraten in Werken Munchs zum Ausdruck seelischer Empfindung und zur Projektionsfläche biografischer Erfahrung. Ein Beispiel ist die Radierung „Zwei Menschen. Die Einsamen“ von 1894: Das stark vom Symbolismus geprägte Werk ist dem Blick eines Paares auf das Meer gewidmet; es ist ein Blick, der sich in lichte Ferne richtet. Gegenüber der hoch aufgerichteten, in sich ruhenden Gestalt der Frau scheinen sich die Beine des Mannes in der Radierung in den sanften Verwerfungen des Sandes zu verlieren. Seine Zukunftsvision gerät in eine Unentschlossenheit. Die kontinuierliche Auseinandersetzung mit den Lebensstadien spiegelt sich u. a. in Kinderbildnissen und Kindheitsdarstellungen, darunter auch das Bildnis von „Paul Cassirers Tochter“ von 1906, dem Verleger und Galeristen. Die ‚harte‘ Kaltnadel verwendete Munch, um ihr zartes Porträt mit den großen Augen herauszuarbeiten. Daneben begegnet der Betrachter in der Sammlung den unterschiedlichen Frauenfiguren aus der wiederkehrenden Trias von Darstellungen für Jugend, Reife und Alter.

Ein Zeitthema wie die betörende, den Mann ins Verderben führende Frau, der femme fatale, griff Munch in zahlreichen Werken auf: Berühmt ist die Darstellung „Weib mit rotem Haar und grünen Augen. Die Sünde“, hier in einer Lithografie aus dem Jahr 1902. Insbesondere die Farben, das bestechende Grün weit aufgerissener Augen und das Orangerot des Haars, eröffnen eine Idee für das weibliche Verderben. Das Thema entwickelte sich zeitgleich mit einem zunehmenden Selbstbewusstsein von Frauen im Allgemeinen und von Frauen im Umkreis jener Bohème aus dem Umkreis des Künstlers im Besonderen.

Verschiedene Porträtbildnisse und -studien, darunter ein Selbstporträt des Künstlers von 1895, verorten ihn in eben jenen Künstlerkreisen seiner Zeit, u. a. in der Kristiania-Bohème und innerhalb eines Netzwerkes bildender Kunst, Architektur und Literatur mit Figuren wie den Schriftstellern Stanislaus Przybyczewski und August Strindberg oder dem Architekten Henry van de Velde.

Der Bestand von Werken Munchs umfasst im Sprengel Museum Hannover glücklicherweise bekannte Ikonen wie die bereits genannten, aber auch unbekanntere Arbeiten, darunter das Bildnis des norwegischen Schriftstellers „Gunnar Heiberg“ von 1896 oder die narrative Darstellung „Der große Dorsch“ von 1902.

Der Bestand

In der Grafischen Sammlung des Sprengel Museum Hannover zeichnet sich mit Lithografien, Holzschnitten, Radierungen, Aquatinten und Zeichnungen die Bandbreite der Variationen ab, mit denen sich Munch seinen Sujets zuwandte. Immer wieder verlagerte er die Arbeit an einzelnen Motiven ebenso systematisch wie intuitiv in neue Medien. Indem sich die Faserung des Materials im Holzschnitt abzeichnete oder das Verfahren der Aquatinta besondere Schatterierungen hervorbrachte, fand Munch bei der Um- und Ausarbeitung neuer Fassungen immerwährende Anregungen, seine Motive und ihre Existenzialität zu gestalten und erfahrbar zu machen. Auch Rückgriffe auf frühere Arbeiten oder Teilaspekte seiner Kompositionen sind bei Munch keine Seltenheit. So variantenreich die einzelnen Motive umgesetzt und verändert worden sind, so sehr haben sie sich in den einzelnen Techniken zu begreifbaren Bildern verdichtet, deren Entwicklungen und verschiedene Auffassungen im Werk nachvollziebar werden. Der Bestand des Sprengel Museum Hannover umfasst insgesamt 37 Werke von Munch.

Komplementiert werden die grafischen Werke um die beiden wichtigen Gemälde des Künstlers aus der musealen Sammlung, „Das Biest“ von 1902 und „Dorfplatz in Elgersburg, Thüringen“ von 1905/06.

(Pressemitteilung Sprengel Museum Hannover, Dr. Isabelle Schwarz, 23.09.2013)

Kein Kommentar

Werbung

Kommentieren ist zur Zeit leider nicht möglich!

Werbung


 
30 Jahre 'Musik in St. Augustinus' - Alles zum Jubiläumsprogramm 2018
Konzert für Orgel und Trompete am Sonntag, 27. Mai 2018, 17 Uhr, in St. Augustinus, Göttinger Chaussee 145, 30459 Hannover
Ricklingen ist wasserfest - Samstag, 26. Mai 2018 ab 13.30 Uhr, Wiese des Paradies-Provence
Große Kunstausstellung: Gemischtes Doppel
Region Hannover wird durchsucht
Der Ricklinger Deich