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26.06.2012

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Bernhard Fuchs. Porträts / Autos / Straßen und Wege

Ausstellung

Sprengel Museum HannoverAus der Sammlung der Niedersächsischen Sparkassenstiftung
27. Juni bis 7. Oktober 2012

Bernhard Fuchs (*1971) entwickelte über zwei Jahrzehnte hinweg drei Bildzyklen: Porträts, die die Menschen seiner Heimat zeigen, Aufnahmen von Autos, die an menschenleeren Orten stehen, und eine Serie von Bildern, die Wege und Straßen zeigen. Zu jedem Zyklus erschien eine Publikation. Seit kurzem liegt eine vierte Publikation vor, die sich den bäuerlichen Gehöften der heimatlichen Region widmet.

Die intensive Vertrautheit mit den Menschen dieser Region und mit der Landschaft hat von Beginn an die Fotografien von Bernhard Fuchs beeinflusst. Oberösterreich, wohin der Fotograf für seine Bilder immer wieder zurückkehrt, zeichnet sich durch einen kargen Boden und Landwirtschaft aus. Naturbelassene Fließgewässer durchziehen das Granit- und Gneisplateau, das im Norden an Bayern und Böhmen, im Süden an die Donau grenzt.

Porträt und Landschaft gehen in den Fotografien von Bernhard Fuchs eine enge Verbindung ein: Den Porträts ist eine geografische Dimension eingeschrieben, den Landschaften wiederum eine soziologische. Dennoch ist dies nicht das eigentliche Thema der Bilder. Es geht um eine Distanz aufbrechende Vertrautheit, die sich mittelbar durch die Nähe des Künstlers zu Landschaften und Menschen für den Betrachter einstellt.

Bernhard Fuchs verließ Österreich, um von 1993 bis 1997 bei Bernd Becher an der Kunstakademie Düsseldorf und im Anschluss an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Timm Rautert zu studieren. Er zählt zu jenen jungen Fotografinnen und Fotografen, die sich seit den 1990er-Jahren auf intensive Weise über das Porträt mit dem Thema der Herkunft auseinandersetzen. Sie fotografieren an Orten und in Landschaften, die ihnen Heimat bedeuten. Jitka Hanzlová (*1958) hatte die nördlich der Karpaten liegende heimatliche Landschaft und damit die Tschechoslowakei Mitte der 1980er-Jahre als politische Emigrantin gen Essen verlassen. Zoltán Jókay (*1960) wuchs als Kind ungarischer Emigranten in Deutschland auf. Von Sander – und aus der Malerei der Renaissance tradiert – findet sich im Werk dieser Fotografen das Begreifen des Porträts als soziale Repräsentations- und Würdeformel. Der nüchtern distanzierende und systematisierende Ansatz eines August Sander ist durch die Geschichte und Fotografiegeschichte der vergangenen Jahrzehnte vielfach gebrochen. Doch berufen sich diese Fotografinnen und Fotografen vielmehr auf Walker Evans, Robert Frank, Diane Arbus oder Robert Adams. Evans, Frank und Arbus lehrten den analytischen Blick, die poetisch gefasste Aufmerksamkeit für Dissonanzen und Widersprüche und das Interesse für die Ränder der Gesellschaft. Diesen neuen Porträts liegt die Erfahrung eines Verlustes zugrunde. Sie weisen mit emotional aufgeladenen Räumen und Orten der Jugend auf einen Rückzugsort hin.

Hanzlová, Jókay und Fuchs arbeiten in Farbe. Sie beherrschen sie meisterlich nuanciert und nutzen sie auf unterschiedliche Weise, um Stimmungsräume zu entwerfen – Orte einer jeweils sehr eigen gefassten und erlebten Erfahrung des Verhältnisses zwischen Individuum und Welt.

Diese ›neuen Porträts‹, die sich auf biografisch gegründete Weise gegen die Absage behaupten, die Thomas Ruff Mitte der 1980er-Jahre dem Individualporträt erteilte, konstatieren in den 1990er-Jahren eine für die nachwachsenden Generationen einsetzende, tief greifende Verunsicherung der Vorstellungen von Individualität. Sie formulieren, auf jeweils unterschiedliche Weise, Sehnsuchtsmomente, Rückversicherungen in einem tradierten Wertekanon, der sich in der jeweiligen Bildwelt als mehr oder weniger ›zeitlos‹ darstellt.

In den Fotografien von Bernhard Fuchs scheint der ländliche Lebensraum die bildnerische Vision einer nichtentfremdeten Existenz zu beherbergen. Hieraus gewinnen sie – trotz ihrer engen Bindung an eine sehr spezifische Region – ihre allgemeingültig scheinende Formulierungskraft.
»Denn was sichtbar ist, steht wie außerhalb der Zeit. Es ist immer da, verflüchtigt sich nicht. Es zeigt sich dem, der bereit ist zu schauen. Beim Betrachten dieser Bilder wird die Zeit langsamer und weiter. Es entstehen Augenblicke von reinem Dasein, und wir gewinnen ein Gefühl von Dauer.«
(Heinz Liesbrock, Wege ohne Ende, in: Bernhard Fuchs, Straßen und Wege, 2009, o. S.)

Eröffnung
26. Juni 2012, 18.30 Uhr, Raum für Fotografie
Es begrüßt Ulrich Krempel.
Es spricht Ulrike Schneider, Niedersächsische Sparkassenstiftung.
Im Anschluss: Bernhard Fuchs im Gespräch.
Es moderiert Inka Schube.

Ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Niedersächsischen Sparkassenstiftung
Mit freundlicher Unterstützung der Sparkasse Hannover

[PM Sprengel Museum Hannover, 26.06.2012, Dr. Isabelle Schwarz]

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