25.04.2012

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Auftaktausstellung: Schlösser und Gärten – Die Geschichte Herrenhausens

Ausstellung

In einem Pressegespräch hat heute, am 25. April 2012, Kulturdezernentin Marlis Drevermann gemeinsam mit Markus Betz von “hg merz architekten museumsgestalter” aus Stuttgart und mit dem Direktor des Historischen Museums, Dr. Thomas Schwark die Ausstellungkonzeption im künftigen Museum im Schloss Herrenhausen für 2013 erläutert sowie Ausblick auf die Umsetzung der Dauerausstellung “Leibniz und seine Zeit” in 2015 gegeben.

Die Gestaltung der Auftaktausstellung “Schlösser und Gärten. Vom Barock zur Moderne in Herrenhausen” im rekonstruierten Schloss Herrenhausen 2013

“hg merz architekten museumsgestalter” wurde von einer gemeinsamen Jury aus Stadt und Land ausgewählt. Ihre Gestaltung sieht folgendes vor:

Die Ausstellung gliedert sich in drei Teile. Diese werden als Schaubühne begriffen, auf denen jeweils ein Thema zur musealen Aufführung kommt: Im Ostflügel, dem “Theater der Figuren”, werden die BesucherInnen in den “Fürstenstaat der Welfen im Zeitalter des Barock” eingeführt. Der unterirdische Verbindungsgang zwischen den Flügeln fungiert als “Theater der Dinge”. Hier wird 2013 eine “Phänomenologie der Barockkultur” zur Entfaltung kommen. Der Westflügel schließlich erzählt “Gartengeschichten in Herrenhausen ab 1760″, in denen sich die Ideen und Moden der Epochen widerspiegeln. Jeder der drei Bühnen wird eine eigenständige Gestalt und Atmosphäre verliehen, die sich an den Themen und Inhalten orientiert. Ein Audioguide kann eine hier zusätzliche Informationsebene der Ausstellung erschließen.

Ostflügel: “Der Fürstenstaat der Welfen im Zeitalter der Barock”

Die auffällige Farbgebung des Raums mit seinem roten Boden und Möbeln markiert sinnfällig einen klaren Übergang zwischen dem Shop- und Kassenbereich und der nachfolgenden Ausstellung. Die Bühne der Figuren stellt das wichtigste Personal des Fürstenstaats anhand von Portraits und Gemälden vor, die vor einem plissierten grünen Vorhang auf der Fensterseite gezeigt werden. Den Figuren korrespondieren auf der gegenüberliegenden Seite die wichtigsten Orte des höfischen Lebens, deren Aussage durch begleitende Zitate verstärkt wird. Im Mittelgang schafft eine auf filigranen und frei angeordneten Tischbeinen gestützte Tischlandschaft Raum für die insgesamt acht Themen, die perspektivisch auf die Büste des Philosophen Leibniz ausgerichtet sind. Auf der gefalteten “barocke Tafel” werden zahlreiche Requisiten und Kulissen ausgebreitet, ergänzt um Medienexponate, die Bild- und Hörbeispiele zu barocken Bauten oder Musik präsentieren. Die Titel der Themen werden als Bodengraphik ausgeführt, die den Raum in Zonen gliedert. Am Ende des Flügels wartet eine Sitzbank darauf, BesucherInnen einen Blick in den Garten zu eröffnen.

Verbindungsgang: “Phänomenologie der Barockkultur”

Nach dem mit Barockmusik unterlegten Übergang im Treppenhaus gelangen die BesucherInnen in das Theater der Dinge, die aufgrund ihrer dunklen, fast mystischen Stimmung als Wunderkammer erscheint. Hier werden alltägliche und außeralltägliche Dinge der Barockkultur in mehreren Kapiteln gezeigt, deren Titel wie “Glaube und Wissen” oder “Muße und Mühe” das Nebeneinander unterschiedlicher Lebenswelten und Überzeugungen aufzeigen und wiederum als Bodengraphik ausgeführt werden. Der Gang ist als Raster gestaltet, dessen Felder nur teilweise gefüllt sind. Das Bild des Rasters steht zum einen für die Facettenhaftigkeit der Darstellung, zum anderen für den barocken Wunsch nach Ordnung und Systematik. Die Exponate, darunter etwa eine Sänfte und ein Karussellschlitten aus der Zeit um 1730/40, sind in Vitrinen untergebracht, die an allen vier Raumseiten installiert werden. Erläuternde Texttafeln werden direkt in das Fugenraster eingefügt, die Beleuchtung erfolgt über das Akzentlicht in den Vitrinen und Deckenspots. Korrespondierend zu der Präsentation der luxuriösen und alltäglichen Gegenstände aus der Zeit des 17. und 18. Jahrhunderts werden Gestaltungsprinzipien der barocken Gartenkultur in Herrenhausen erläutert.

Westflügel: “Gartengeschichten in Herrenhausen ab 1760″

Der Westflügel lädt abschließend zu einer Reise durch die Gartenbaukunst Hannovers ein. Die überragende Bedeutung der Gartenbaukunst für die Barockkultur, aber auch für die nachfolgenden Zeiten bis in die Gegenwart hinein, wird eindrucksvoll unter Beweis gestellt. In einem taghellen weißen Raum, dessen Wände mit subtilen, weiß glänzenden floralen Mustern geschmückt sind, werden vier Gärten vorgestellt: der Große Garten in Herrenhausen, der Berggarten, der Georgengarten und der Welfengarten. Ihre Eigenarten und Wandlungen spiegeln die Moden und Ideen der Gartenbaukunst über die Jahrhunderte wider. Das zentrale Element der Ausstellungarchitektur ist eine weißlasierte Pergola aus Lerchenholz. Die drei Meter hohe Pergola eignet sich gleichermaßen als Sinnbild für den Garten und ermöglicht durch ihre Struktur eine vertikale Gliederung des Raums. Eingestellte Holztafeln mit Thementexten und flächige Bodengraphiken unterteilen den Raum zusätzlich und verdeutlichen die Themenfelder. Exponate werden unter Glashauben in stehenden Vitrinen präsentiert, Gemälde und Zeichnungen von der Pergola in Betrachtungshöhe abgehängt. Zudem werden zu jedem Garten Postkartensammlungen in digitaler Form auf ebenfalls abgehängten iPads gezeigt. Drei Gartenbänke schließlich bieten den BesucherInnen die Möglichkeit sich auf dem Hin- oder Rückweg durch die Ausstellung ein wenig auszuruhen.

Detailinformationen zur inhaltlichen Ausrichtung der Ausstellung

“Schlösser und Gärten. Vom Barock zur Moderne in Herrenhausen”

An der inhaltlichen Gestaltung der Ausstellung arbeiten die Kuratoren vom Historischen Museum Julian Strauß und Dr. Annika Wellmann-Stühring unter der Leitung von Dr. Andreas Urban. Über 500 Objekte aus vier Jahrhunderten werden auf rund 900 m² Ausstellungsfläche zu sehen sein.

Die Auftaktausstellung im Museum des Schlosses Herrenhausen erzählt die Geschichten der Gartenanlagen und Gebäude im Bereich Herrenhausen seit ihrer Entstehung im Zusammenhang mit der Etablierung des welfischen Fürstenstaates im 17. Jahrhundert. “Gartengeschichten” stellen den roten Faden einer Ausstellung dar, die im Ostflügel des Schlosses die politischen, personell-familiären und sozialen Rahmenbedingungen erläutert, die zum aufwendigen und kostenträchtigen Bau des Schlosses, der Galerie, der Orangerie und des Barockgartens motivierten. In einem zweiten Teil (unterirdischer Verbindungsgang der Schlossflügel) werden anhand von Ansichten des Gartens Herrenhausen die kulturellen Orientierungen der Barockzeit veranschaulicht. Die Weiterentwicklung der Gartenkultur in Herrenhausen für den Großen Garten, den Berggarten, den Georgengarten und den Welfengarten über die barocken Anfänge hinaus bis zur Gegenwart beschreibt der Ausstellungsteil im Westflügel.

Der Osttflügel: Fürstenstaat und barocke Gartenanlagen (bis 1760)

Auf drei Ebenen erläutert dieser Ausstellungsbereich, mit welcher Motivation und auf welcher materiellen und ideellen Grundlage
das im Fürstentum Braunschweig-Lüneburg regierende Adelsgeschlecht der Welfen eine Sommerresidenz mit Barockgarten in “Höringehusen” begründete und zu einer repräsentativen Anlage ausbaute. In einem “Theater der Figuren” werden entscheidende Personen des Herrscherhauses (Kurfürst Ernst August, Kurfürstin Sophie), des Hofstaates (Leibniz) und der Gartenarchitektur (Charbonnier, von Hardenberg) vorgestellt. Im Bereich “Requisiten und Kulissen der Macht” werden Instrumente und bedeutende Repräsentationselemente gezeigt, die den Anspruch der Welfen auf eine herausragende Stellung im Gefüge der Staaten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation untermauern sollten. Der Bereich “Bühne” führt die Räume vor Augen, in denen sich die Barockkultur der Welfen entfaltete: das Fürstentum Braunschweig-Lüneburg, die Residenzstadt Hannover, die Sommerresidenz Herrenhausen.

Der Verbindungsgang der Schlossflügel: Phänomenologie der Barockkultur

Einblicke in die Epoche des Barock vermittelt eine Raumcollage mit Objekten, die einen kleinen, aber aussagekräftigen Ausschnitt der materiellen Kultur der Zeit von 1650 bis 1750 darstellen. Auf diese Weise werden Facetten der Lebenswirklichkeit und der Mentalität unterschiedlicher sozialer Schichten vorgestellt. Luxusobjekte aus der Welt der Fürsten stehen hier neben profanen Gegenständen aus der Welt des Bürgertums und der einfachen Leute. “Barock”, eigentlich ein Begriff der Kunstgeschichte, wird in diesem Ausstellungsbereich eher als eine durch politische, religiöse und soziale Rahmenbedingungen geformte Geisteshaltung und Weltdeutung verstanden. Auf diese Weise wird der Rahmen abgesteckt, in dem sich die nach mathematischen Prinzipien der Naturbeherrschung ausgerichtete Gartengestaltung entfaltete.

Die Präsentation der Exponate erfolgt nach einem Deutungsmuster, deren Grundlage jeweils zeitspezifische Begriffspaare bilden: Nähe und Ferne, Wir und Ich, Todesnähe und Überleben, Glauben und Wissen, Muße und Mühe. Diese aufeinander bezogenen Kategorien stellen zentrale Elemente der “Barockkultur” gesellschaftlicher Eliten wie auch breiter Bevölkerungsschichten dar.

Der Westflügel: Gartengeschichten seit 1760

Der dritte Ausstellungsbereich beschreibt die Entwicklungen und Veränderungen der Gartenanlagen in Herrenhausen seit der Aufklärung. Ein Leitgedanke ist hier die Öffnung der zunächst noch in fürstlichem, d.h. privatem Besitz befindlichen Gartenanlagen für das Volk und die damit einhergehende Änderung der Nutzungen bis zur Gegenwart als Sehenswürdigkeit und Erholungsraum.

Themen dieser Ausstellung sind:

  • “Wege nach Herrenhausen”, die Anbindung der Gärten an die Stadt durch die Herrenhäuser Allee und benachbarte Straßen.
  • Der “Bergarten” und seine Nutzungen für die Hofküche, als botanischer Garten und als Erinnerungsort der Welfenfamilie (Mausoleum).
  • Der “Georgengarten”, der im Zuge der Aufklärung aus barocken Ursprüngen zu einem Landschaftsgarten mit “Palais” (heute Wilhelm-Busch-Museum) ausgebaut wurde und sich schließlich zu einem “Volkspark” entwickelte.
  • Der heute vor allem durch die Universität im “Welfenschloss” geprägte “Welfengarten”, dessen barocke Ursprünge vom Schloss Monbrillant bestimmt waren.
  • Die durch politische Umstände (“Personalunion”) bedingte Konservierung des großen Barockgartens und Schlosses in Herrenhausen und ihre wechselvolle, durch Bewahrung, “Rettung”, Zerstörung und Neugestaltung gekennzeichnete Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert.

Während die ersten beiden Ausstellungsbereiche als Dauerausstellung konzipiert werden, wird der dritte Teil im Westflügel für die Dauer eines Jahres bis zur Landesausstellung 2014 eingerichtet.

[Pressemitteilung LH Hannover, 25.04.2012]

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