Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem du auf Übernehmen im Banner klickst.

21.02.2012

Werbung

John Gossage. The Thirty-Two Inch Ruler / Map of Babylon

Ausstellung Termine

Photography Calling! Reloaded Sprengel Museum Hannover in Kooperation mit der Niedersächsischen Sparkassenstiftung
22. Februar bis 17. Juni 2012

›History Books‹ nennt der 1946 in New York geborene John Gossage seine fotografischen Bücher. In Europa sind es vor allem jene über Berlin zu Zeiten des Kalten Krieges (Stadt des Schwarz. City of Black, 1987, und Berlin in the Time of the Wall, 2004), über die Grenze zwischen den USA und Mexiko (There and Gone, 1997), über die Industrie in Venedig (The Romance Industry, 1998) und das kürzlich neu aufgelegte Werk The Pond (1985/2010), die John Gossage bekannt gemacht haben.
Das Sprengel Museum Hannover zeigt in der dritten Einzelausstellung des Fotografen in diesem Haus nun erstmals in Europa Arbeiten aus den Serien The Thirty-Two Inch Ruler und Map of Babylon. Eine Publikation, die beide Serien vorstellt, erschien 2010 im Verlag Steidl.

Gossage, der seine Ausbildung in den frühen 1960er-Jahren bei Lisette Model (1901-1983) und Alexey Brodovitch (1898-1971) erhielt, hat – wenn auch auf indirekte Weise – die europäische Fotografie entscheidend mitgeprägt. Anfang der 1980er-Jahre hielt er sich häufig in Berlin auf. Er bewegte sich im Umfeld der Werkstatt für Photographie der VHS Kreuzberg, einer Gründung von Michael Schmidt (1945*), und fotografierte das ›Schwarz‹ jener Stadt, in der die ökonomischen-ideologischen Systeme, deren Auseinandersetzungen die Nachrkiegsjahrzehnte prägten, aufeinanderstießen.
Das Interesse für Grenzen scheint das Werk dieses Fotografen zu durchziehen. Seien es die zwischen ›Ost‹ und ›West‹, zwischen ›Nord‹ und ›Süd‹, zwischen ›Natur‹ und ›Zivilisation‹: John Gossage bietet sie mittels der Fotografie und im Medium ›Fotobuch‹ einer quasi literarisch-filmischen Lektüre dar. Seine Bilder sind so feingezeichnet, so nuanciert in den grafischen Strukturen, dass sie sich, obwohl stets dem fotografischen Befund verpflichtet, wie Texte lesen lassen.

»Stimmungsraum und Erlebniswahrheit« (1) treffen in den Fotografien von John Gossage unmittelbar aufein- ander. Das Nichtsensationelle, Alltägliche, die präzise phänomenologische Haptik des Banal-Alltäglichen trifft – vermittelt über gezielte Schärfe- und Unschärfesetzungen – auf das Imaginäre, das in dieser Bildwelt stets historisch konkret und zumeist mit epochaler Bedeutung unterlegt ist. Das ›an sich Sichtbare‹, das ›bewusst Wahrgenommene‹ und das häufig visuell schwer lastende ›Unsichtbare‹, ›Unkonturierte‹ werden auf höchst subtile Weise immer aufs Neue gegeneinander abgewogen.
Für The Thirty-Two Inch Ruler und Map of Babylon – zwei fotografische Serien in einem sowohl von hinten als auch nach vorn zu lesendem Buch – arbeitet John Gossage das erste Mal in Farbe.

Wir befinden uns in Washington D. C., dem – so zumindest das Selbstverständnis – Zentrum der Welt. Wir sehen: gepflegte Vorgärten, Wege und Rabatten, gediegene Architekturen, chromblitzende Karossen unter strahlend blauem Himmel. Hier scheint alles Frieden, Wohlstand und Einvernehmen zu atmen – wäre da nicht ab und an ein merkwürdig liegender Gartenschlauch, ein nicht zu deutender Kabelverlauf, vielleicht ein oder zwei verdunkelte Autoscheiben zu viel, möglicherweise verdächtiger Restmüll in einer abgestellten Tüte und diese merkwürdige, unheimliche Unschärfe.
Auch in dieser so still anmutenden Welt wird gelebt. Von hier aus fahren Menschen am Morgen in Büros und treffen Entscheidungen, die den Alltag von Milliarden von Menschen verändern. Hinter diesen Fassaden denken sie, in ihren Küchen stehend, mit ihren Kindern spielend, in ihren Betten liegend, darüber nach, was sie zu tun haben, damit die Welt so wird, wie sie sie zu sehen wünschen.

Der Thirty-Two Inch Ruler ist ein Maßband, amerikanisch genormt. Babylon ist der imaginäre Ort, an dem
wir, woher wir auch immer kommen, aufeinandertreffen, an dem wir in der Lage sein sollten, eine Sprache zu
finden, in der Kommunikation, kultur- und erfahrungsübergreifend, möglich ist. Was ist das Maß dieser Sprache? (Inka Schube)

1) Zitiert nach Wolfgang Ullrich, Unschärfe, Antimodernismus und Avantgarde, in: Ordnung der Sichtbarkeit, Fotografie in Wissenschaft,
Kunst und Technologie, hrsg. v. Peter Greiner, Frankfurt a. M. 2002, S. 389

John Gossage, 1. Februar 2009

Du solltest etwas Zeit zu Hause verbringen
Ich begann am 12. September über diese Bilder nachzudenken – dem Tag, an dem mir bewusst wurde, dass Donald Rumsfeld mein Nachbar war.
Ich lebe an einem Ort, der mir größten Komfort und in vielen Projekten Orientierung für mein Vorgehen bietet. Die Dunkelheit der »Stadt des Schwarz« habe ich zum ersten Mal während einer nächtlichen Fahrt auf der 24ten Straße gesehen und gedacht. Die Haltung in »There and Gone« steht im Gegensatz zu dem Gefühl der Sicherheit, das ich habe, wenn ich durch Kalorama gehe. Dieser Ort ist für mich ein Prüfstein, an dem ich gegenwärtige und zukünftige Vorhaben messe.

Zu Hause.
An den Tagen, die auf den 12. folgten, wurde mir allmählich klar, wie wichtig es war, hier vor Ort zu fotografieren. Ich dachte, ich sollte versuchen, an der Drift der Privilegien zu arbeiten und an der Benommenheit und Verwerfung, die sie erzeugt.
Insbesondere Kalorama ist einzigartig. Dieses Stadtviertel Washingtons ist prädestiniert für Botschaften, Residenzen von Gesandtschaften und Privathäuser. Es ist bewacht rund um die Uhr von mindestens drei sich überlappenden Polizeidiensten: dem Executive Protection Service (der für das diplomatische Corps zuständig ist), der Washington Metropolitan Police Force und dem National Park Service. Darüber hinaus sind hier zeitweise auch Personal und Bodyguards des Departments of Defense [Verteidigungsministerium] tätig. Kalorama gilt als ein sicherer und angenehmer Ort um spazieren zu gehen, zu besichtigen oder zu leben – zu jeder beliebigen Stunde bei Tag und bei Nacht. Ein Ort der Schönheit und der Ruhe, den Du Dir zum Leben wählen kannst, wenn Du kannst. Ein Ort, an dem die Illusion von Reichtum und politischer Macht sichtbar wird.

Ich brauche Dinge, die sichtbar sind, um arbeiten zu können. Dies scheint ein allzu nahe liegendes Statement zu sein. Aber so vieles entgleitet ungeprüft, ohne eine Chance auf Widerspiegelung und Reflexion, dass ich es für nötig hielt, es festzuhalten. Washington ist eine Stadt, die gerade in dem, was sie am Berühmtesten gemacht hat, völlig unsichtbar ist. Was Du siehst, ist nicht das, was Du bekommst. Mit kritischem Blick durch die Straßen der Stadt wandern zu können, erlaubt mir (zumindest in der fotografischen Vertretung einer dritten Person), mich mit meinem eigenen Begehren, meinen Voreingenommenheiten ebenso auseinanderzusetzen wie mit denen meiner Nachbarn. So ist diese Erzählung vielleicht die eines großen und simplen Fehlers: Dem, zu glauben, dass das, was man wünscht, auch alle anderen wünschen und auch haben sollten. Oder vielleicht die eines noch größeren Wahns: zu glauben, man hätte ausreichend Macht, dies geschehen zu lassen.

Auch wenn wir in der jüngsten Vergangenheit noch einmal Glück gehabt haben, so ergeben meine Aufnahmen ein weiteres Buch in der Reihe meiner »Geschichtsbücher«. Und wenn nicht: Wir wissen ja, alte Gewohnheiten sind hartnäckig.

(Übersetzung: Michael Stoeber und Sprengel Museum Hannover)

Eröffnung
21. Februar 2012, 18.30 Uhr
Raum für Fotografie, Einführung: Inka Schube
Im Anschluss: John Gossage im Gespräch mit Michael Stoeber (in engl. Sprache)

Ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Niedersächsischen Sparkassenstiftung
Mit freundlicher Unterstützung der Sparkasse Hannover

John Gossage

1946 geboren in New York
Privatunterricht von Alexej Brodovich, Bruce Davidson, Lisette Model

lebt in Washington D. C.

Einzelausstellungen (Auswahl)

1963 Camera Infinity Gallery, New York
1971 Ohio University, Athens, OH
1976 The Better Neighborhoods of Greater Washington, Corcoran Gallery of Art, Washington D.C.
1978 Gardens, Castelli Gallery, New York; Werkstatt für Photographie, Berlin
1982 Spectrum Photogalerie, Sprengel Museum Hannover
1987 Stadt des Schwarz, Castelli Gallery, New York
1989 Photographs of Berlin, Cleveland Museum of Art, Cleveland, OH
1990 LAMF, Sprengel Museum Hannover / Hanover
1993 The Photograph and its Double, C. Grimaldis Gallery, Baltimore, MD
1996 There and Gone, Sprengel Museum Hannover; Brandenburgische Kunstsammlungen, Cottbus; Museum of Contemporary Photography, Chicago, IL
2000 Empire, Roth Horowitz, New York
2004 Thirteen Ways to Miss a Train, Linea di Confine, Rubiera, Italien
2005 Berlin in the Time of the Wall: The Proofs, J. J. Heckenhauer Galerie, Berlin
2010 The Pond, Smithsonian Museum of American Art, Washington D. C.

Gruppenausstellungen (Auswahl)

1968 All Kinds of People, Washington Gallery of Modern Art, Washington D. C.
1975 14 American Photographers, Baltimore Museum of Art, Baltimore, MD
1981 American Images, George Eastman House, Rochester, NY; Institute of Contemporary Art, Philadelphia, PA
1986 La Photographie Créative, Bibliothèque Nationale, Paris
1987 Dialectical Landscape: Nuovo paesaggio americano, Palazzo Fortuny, Venedig
1992 Fotografie Biennale, Wasteland, Rotterdam
1997 Absolute Landscapes, Yokohama Museum of Art, Yokohama
1998 The American Lawn, Canadian Centre for Architecture, Montreal
2005 Im Rausch der Dinge, Museo di Fotografia Contemporanea, Mailand; Fotomuseum Winterthur

[PM Sprengel Museum Hannover, 21.02.2012, Dr. Isabelle Schwarz]

Kein Kommentar

Werbung

Kommentieren ist zur Zeit leider nicht möglich!

Werbung


 
30 Jahre 'Musik in St. Augustinus' - Alles zum Jubiläumsprogramm 2018
Such mich in Hannover!
Der Ricklinger Deich

Auf diesen Webseiten kommen Cookies von unseren Werbepartnern zum Einsatz. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Benutzung unserer Website an unsere Partner für Werbung weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Mehr Infos

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close