30.08.2011

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Optimum White Cube? Wo würden Sie sich gerne Kunst ansehen?

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Sprengel Museum Hannover FH Hannover und Sprengel Museum Hannover untersuchen Eignung des „White Cube“ aus Sicht der Besucher / Forscherteam: „Wir stellen jahrzehntelange Konvention infrage“
Muss zeitgenössische Kunst im weißen Raum ausgestellt werden? Diese Frage ist Ausgangspunkt eines Forschungsprojekts der Fachhochschule Hannover. In Kooperation mit dem Sprengel Museum Hannover untersucht ein Team um Professorin Suzanne Koechert und Martina Wiedleroither erstmals umfassend die Eignung des Ausstellungskonzepts „White Cube“ aus Besuchersicht. „Unter White Cube versteht man das seit Jahrzehnten vorherrschende Ausstellungskonzept, Kunst in weißen, geschlossenen Räumen zu präsentieren“, erklärt Koechert. „Die gängige Auffassung ist, dass die vermeintliche Neutralität eines weißen Raums einen unverfälschten Blick auf die Kunst erlaubt. Unser Projekt erforscht, ob nicht auch ein weißer Raum die Wahrnehmung des Publikums beeinflusst. Wir stellen damit eine jahrzehntelange Konvention infrage.“

Im Sprengel Museum Hannover modifizierte das Team mehrfach einen Raum der Oberen Sammlung, der mit Werken von Joseph Kosuth und Daniel Buren einen Teil der ständigen Ausstellung beherbergt. Während die Auswahl der Kunstwerke und deren Hängung im Raum die gleiche blieb, platzierten die Forscher zunächst eine Sitzgelegenheit im Raum. In einem weiteren Schritt variierten sie die Wandfarbe.

Sowohl vor als auch nach der Veränderung sind insgesamt rund 700 Besucher beobachtet und rund zwei Drittel von ihnen zusätzlich befragt worden. „Das Besondere an unserem Experiment ist, dass wir eine real bestehende Situation verändern durften“, sagt Martina Wiedleroither, die Innenarchitektur studiert hat, als wissenschaftliche Mitarbeiterin an dem Projekt arbeitet und an der UdK Berlin ihre Dissertation zum Thema verfasst. Eigens für Befragungen hergerichtete Ausstellungen würden vom Besucher häufig als Laborsituation erkannt. Dadurch reagiere er anders. „Wir können dagegen die Reaktionen vorher und nachher direkt miteinander vergleichen. Es gibt bislang kein vergleichbares Experiment in einem Kunstmuseum“, so Wiedleroither.

Insbesondere künstlerische Auseinandersetzungen der 1970er-Jahre machen deutlich, dass der White Cube nicht als neutral angesehen werden kann. In der musealen Praxis werde dennoch häufig von keiner Einflussnahme ausgegangen. „Der White Cube dominiert die Ausstellungskonzepte zeitgenössischer Kunst im Museum“, sagt Martina Wiedleroither. „Dabei ist unklar, welchen Einfluss er auf Wohlbefinden und Wahrnehmungsbereitschaft der Besucher nimmt.“ Ziel des Forschungsvorhabens sei es, herauszufinden, inwieweit der White Cube die Vorlieben des Publikums bei der Beschäftigung mit Kunst berücksichtige und ob dieses Konzept vielleicht sogar ein Hindernis für den Kunstgenuss darstellen könne. „Erste Ergebnisse zeigen, dass die Kunstwerke im White Cube mitunter ganz anders rezipiert werden, als es der Künstler intendiert“, sagt Professorin Suzanne Koechert. „Die Raumgestaltung könnte hierbei unterstützend wirken.“

Das sechswöchige Experiment, das im Juni und Juli dieses Jahres im Sprengel Museum Hannover stattgefunden hat, ist eingebettet in ein eineinhalbjähriges Forschungsprojekt der FH Hannover, das noch bis Mitte 2012 läuft. Gefördert wird das Projekt durch Mittel des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) der Europäischen Union. Das Sprengel Museum Hannover stellte Räumlichkeiten und Werke für die wissenschaftliche Auseinandersetzung zur Verfügung. Am 23. März 2012 findet ein eintägiges Symposium zur Fragestellung im Auditorium des Museums statt. Die Ergebnisse des Projekts werden im Herbst 2012 in einer Publikation zusammengefasst.

[PM Sprengel Museum Hannover, 30.08.2011, Dr. Isabelle Schwarz]

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