Lutz Dammbeck: Das Meisterspiel
Filmvorführung mit anschließendem Künstlergespräch im Rahmen der Ausstellung „Lutz Dammbeck. Re_Re-Education“ am Dienstag, 8. Juni 2010, 18.30 Uhr
Lutz Dammbeck „Das Meisterspiel“
Deutschland 1998, Dokumentarfilm, Länge: 106’
Mitwirkende: der Maler Arnulf Rainer, der Medienkünstler Peter Weibel, der Philosoph Helmut Kohlenberger, der Konservative Club, der ehemalige Chefideologe der FPÖ Andreas Mölzer, der ehemalige Linke und heutige Rechte Reinhold Oberlercher, die Kärntner Bäuerin Traudl Kernmaier, der Wiener Kriminalrat Dr. Geiger, der linke Journalist Klaus Zellhofer u. v. a.
„Während der Endfertigung des Films Dürers Erben besucht ein Filmemacher aus Wien Lutz Dammbeck im Schneideraum und übergibt ihm einen Text. Er habe doch einen Film über Breker gemacht und kenne sich mit rechten Gedanken gut aus. Ob er den Text nicht analysieren könnte, um den Autor ausfindig zu machen. Der Text ist interessant und reizt Lutz Dammbeck sofort, ihn zu verfilmen. Was war geschehen?
1994 werden in der Wiener Kunstakademie 27 Bilder des österreichischen Malers Arnulf Rainer von Unbekannten schwarz übermalt. Auf eines der Bilder schreiben die Täter, in Abwandlung eines Ausspruchs Adolf Hitlers, den Text „Ich aber beschloss Aktionist zu sein“. Wer übermalte den Übermaler?
Ein Jahr nach dem Anschlag taucht in Wien ein Bekennerschreiben auf, das den Anschlag zu begründen versucht. Der Text ist antimodernes Manifest voller Zitate, Anspielungen und Verweise, das dem Maler vorwirft, Teil einer zerstörerischen Moderne zu sein. Kommen die Täter also von rechts, wie Arnulf Rainer und linke Medien zunächst vermuten? Zur gleichen Zeit erschüttert eine Serie von Bombenanschlägen Österreich, es gibt Verletzte und Tote. Zu den Anschlägen bekennt sich eine Bajuwarische Befreiungsarmee, abgekürzt BBA, die Österreichs „deutsche Identität“ bedroht sieht. Die Anschläge sind als fiktives Historien- und Rollenspiel inszeniert, das die Befreiung Wiens von den Türkenheeren nachspielt. Mehrfach tauchen in den Bekennerschreiben Begriffe wie „Aktion“ und „Kunstwerk“ auf und nähren den Verdacht, es handele sich um ein aktionistisches Kunstspiel, bei dem linke und rechte, politische und künstlerische Stile miteinander gemixt und übermalt werden. Sind ‚Übermaler’ und ‚Bombenkünstler’ gar identisch? Oder ist am Ende alles nur eine Halluzination und ein verworrener Traum, provoziert von Wien, dem Laboratorium für Weltuntergänge und dem Geburtsort der Psychoanalyse? Was ist hier Realität, und was Simulation? Was ist Spiel, und was ist Ernst?“
Lutz Dammbeck
Anschließend:
Lutz Dammbeck im Gespräch mit Ulrich Krempel
Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, Fachklassen Bogomil Ecker und Corinna Schnitt sowie der Filmklasse Michael Bryntrup.
Eintritt + 1 Euro
Mit freundlicher Unterstützung der nordmedia.
[PM Sprengel Museum Hannover, 04.06.2010, Dr. Isabelle Schwarz]










