Halbstark auf zwei Rädern
Als Niedersachsen Moped fuhr
2. April bis 20. Juli 2008 - Ausstellung im Historischen Museum
Wer in den temporeichen Fünfziger Jahren vorankommen wollte, musste mobil sein. Und das ging am einfachsten mit dem Moped. Die neue Zweirad-Klasse mit MOtor und PEDalen wurde 1953 eingeführt. Stabiler und gefälliger als ein Fahrrad mit Hilfsmotor und preiswerter als ein „richtiges“ Motorrad. Eben „halbstark“, so wie die Jugendlichen, die das Moped bald als Lieblingsspielzeug entdeckten. Die neue Ausstellung des Historischen Museums führt zurück an den Beginn der Massenmotorisierung und stellt Mopeds aus Niedersachsen dabei in den Mittelpunkt.
Natürlich knatterten über unsere Straßen vor allem die Mopeds der großen Hersteller aus Süddeutschland und Westfalen. Doch nicht alle Anbieter waren Hersteller, die meisten traten als „Konfektionäre“ auf, besorgten sich Teile von Zulieferern und brachten das komplette Gefährt unter eigenem Markennamen in den Handel. Dank der Unterstützung von engagierten Privatsammlern sind nun viele Mopeds hannoverscher und niedersächsischer Marken zu sehen. Doch die Ausstellung richtet sich nicht nur an Technik-Fans: Originelle Museumsstücke wie etwa jener Klepper-Mantel, mit dem ein Moped-Pilot jahrelang dem Fahrtwind trotzte, oder der Pantherkopf, mit dem die Mopedbauer in Braunschweig ihren Arbeitsplatz schmückten, ergänzen die kleine, feine Fahrzeugschau. Für Zeitkolorit sorgen Fotos, Dokumente und Werbematerial.

Erzählt werden Geschichten vom Mopedalltag, in dem sich das kleine Zweirad getreu der damaligen Werbung als „Fahrzeug des Berufstätigen“ bewährte, erzählt wird aber auch von aufregenden Mopedtouren über die Alpen ins Land der Vespas und Lambrettas. Und natürlich geht es um die „Halbstarken“. Zu deren durch Vorbilder in Kino und Medien gezeichneten Bild gehörte das Moped beinahe ebenso wie die Haartolle, die Rock’n’Roller-Lederjacke und die Zigarette im Mundwinkel. Kein Wunder, provozierten die „Rebellen“ der Kriegskindergeneration doch nicht zuletzt auch durch lautes und herausforderndes Motoren-Geknatter und wilde Moped-Raserei das an Autorität, Fleiß und Ordnung orientierte Weltbild ihrer Eltern.
Heute haben die kleinen Zweiräder von einst wieder ihre Liebhaber, und so bietet die Ausstellung auch Einblicke in die fremde Welt der „Schrauber und Sammler“, in Werkstattkeller und Privatmuseen. Die zwanzig zur Ausstellung gehörenden Zweiräder sind mehr als technisches Kulturgut: Mit jedem einzelnen erfüllten sich die Besitzer ihren Traum von Mobilität. Im 21. Jahrhundert steht der motorisierte Individualverkehr, wie er sich aus diesen Anfängen entwickelt hat, auf dem Prüfstand. Dies macht den Blick in den Rückspiegel, auf die Zeit, als Niedersachsen Moped fuhr, besonders reizvoll.
1. April, 19:00 Uhr Eröffnung
25. Mai 2008, ab 11:00 Uhr Moped-Frühstück
Sammler und Fahrer von historischen Mopeds und Rollern treffen sich zum „halbstarken“ Frühstück, zum Staunen und Bestaunen lassen, sowie zum Fachsimpeln über alles, was Pedale hat und historisch knattert.
(Bewachter Parkplatz: Museums-Innenhof)

[PM Historisches Museum am Hohen Ufer, 15.03.2008]








